Ängste eines Machos PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mihu   
Donnerstag, den 07. Februar 2008 um 13:00 Uhr
Es gibt solche Tage da wird die gewohnte Routine des Zeitungslesens beim trinken eines Kaffees jäh durchbrochen. Heute Morgen war einer dieser Tage. Der Kellner brachte mir meinen gewohnten Kaffee Creme mit Asugrin, als am Nebentisch plötzlich sich ein Mann rüberlehnte um ein „Gipfeli“ nehmen. Ein kurzer Blick auf das Wesen dieses Mannes und ein Begriff manifestierte sich in meinem Gehirn in Sekundenbruchteilen. Aha, ein typischer Macho, offenes Hemd, schwere Goldkette auf seiner haarentfernten Brust und die wichtigsten klischeegerechten Gegenstände auf dem Tisch. Ein Hightech Natel und ein Autoschlüssel mit übergrossem BMW Anhänger. (Rückblende: früher hatten doch die Machos Haare auf der Brust. Und was waren wir stolz als uns das erste Brusthaar wuchs. Das ist heute alles nicht mehr IN. Anderseits ist eine so epilierte Brust praktisch, denn wehe wenn sich dies massive Goldkette in den Brusthaaren verfängt.)

Einen kurzen Augenblick versuchte ich ein Stossgebet zu formulieren denn die Vermutung lag Nahe, dass dieser Mann einer jener Machos ist, welche ohne Rücksicht auf das was sein Gegenüber macht, sofort die ganze Leidensgeschichte ausbreitet. Ich konnte nicht mal die ersten Buchstaben meines Gebetes denken. Es war schon zu spät. „Hallo ich heisse Jimmy“, sagte der Mann, „haben Sie das mit der Fasnacht in Will gelesen?“ Ich wusste es war zu spät, ich konnte nicht mehr ausweichen.

Ohne auf meine Worte zu achten liess er los: „ Das ist wieder typisch, das mit Wil. Als Mann hat man es überhaupt nicht leicht.“ Vorsichtig nippte ich am heissen Kaffee und fragte mich in Gedanken, was den Mann sein mit Fasnacht zu tun hatte. Jimmy fuhr unbeirrt fort:“ Endlich, endlich zeichnet sich in der Gleichberechtigungsfrage eine Entspannung ab. Da gelten wieder mehr die alten Werte. Gott sei Dank. Es wird wieder mehr traditionell geheiratet, die Frau ist da wo ihre Aufgabe ist, nämlich im Haus und Herd und ich kann abends in Ruhe und ungestört mein Bier zum Länderspiel England Schweiz trinken.“ HILFE, rettet den mich niemand! „Und nun das“. Mittlerweile ist Jimmy zum vertraulicherem du gewechselt. „Und nun das! An der Wiler Fasnacht haben Radikale gedroht wenn vom ganzen Sujet auch das Minarett mitverbrannt wird, etwas Schlimmes passieren würde. Worauf ausser dem Minarett alles verbrannt wurde. Jetzt steht das Ding alleine kerzengrade in die Luft.“ Dann wurde Jimmys Stimme leiser, „und jetzt getraue ich mich nicht mal eine Erektion zu habe, aus lauter Angst das Radikale ihm dann etwas Schlimmes antun würde. Dabei sei er immer so stolz auf seine Lanze gewesen. Und die SVP verstehe er auch nicht mehr. Da giessen sie Öl ins Feuer und provozieren andere, was mir eigentlich auch gefällt. Weisst du ich bin Fan dieser Partei, wegen dem Slogan freie Fahrt für freie Bürger. Aber dass die SVP derart beleidigt reagiere, wenn die provozierten Leute reagieren, kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin ein strammer Schweizer und stehe für das was ich mache und übernehme auch die Verantwortung“ Jimmy war nun nicht mehr zu bremsen. Seine Stimme hatte sich mittlerweile von flüstern in ein Grollen eines Düsentriebwerkes verwandelt. „Und nun“ bricht es aus ihm heraus, „habe ich gar nichts mehr keine Leitplanken mehr“

Lautes Schluchzen reisst mich aus den Gedanken, Ich reiche Jimmy wortlos ein neues Päckchen mit Papiernastücher. Mein Kommentar ist überflüssig, was soll einem Macho sagen der sich von allen in Stich gelassen fühlt. Ich stehe auf und gehe. Wenn ich etwas nicht aushalte, sind es weinende Machos, deren Weltbild zusammengebrochen ist.

 

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