Livemusik in SL PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Roko Johin   
Samstag, den 19. Mai 2007 um 20:44 Uhr
Blick in Konzerthalle

Volles Programm war am Montag Abend ab 20 Uhr MESZ in the fa3rik, Supremacy (196, 203, 22), einer der drei Venues der Schweizer SL-Musikmanagerin Joy Ash (www.sllivemusic.com ) geboten. Gleich drei Live-Events sorgten für hervorragende Stimmung der Fans und bescherten Joy ein volles Haus. 

Dub-Style Reggae aus England

Zuerst begeisterte Rastaman Naphtali Hawks mit groovendem Reggae und einer phantastischen Stimme. Im richtigen Leben nennt er sich Daddy Teacha, ist Sohn einer englischen Mutter und eines jamaikanischen Vaters, womit er mit „Reggae-King“ Bob Marley mehr als nur die Musik gemeinsam hat.

Porträt Naphtali

Der Musiker, der als Naphtali Hawks in Second Life auftritt, ist nicht etwa ein „No-Name-Möchtegern-Reggae-Sänger“. Der Profi rangiert in England als ein Pionier der „Nu Roots“ Vokalkünstler und ist ein international anerkannter Dub-Sound Artist. Aufnahmen machte er für Labels mit verschiedensten Künstlern, darunter Germany’s Di Iries, The Uptones, Tanty Records, Irie Hi-Fi und viele mehr. Selbst in Deutschland rangierte er bei zwei Radiosendern in den Top Ten. Die Liste der Musiker mit denen er auftrat ist lang, ebenso lang die Liste seiner internationalen Touren, die ihn durch ganz Europa und bis nach Jamaika, Kanada und Mexiko führten. Nähere Informationen über ihn und seine Musik im „Real Life“ auf www.myspace.com/daddyteacha und www.teacha.pwp.blueyonder.co.uk/

Seinen eigenen Stil entwickelte Daddy Teacha aus seinem „klassischen“ Reggae-Background, den er mit Einflüssen von Soul bis House kombinierte. Für Second Life produziert Teacha seine eigenen Backing-Tracks, überarbeitet die Rhythmen in seinem eigenen kleinen Studio in Plymouth (England). Von dort sendet er über Winamp und Shoutcast mit einer Verzögerung von maximal 15 Sekunden in Second Life. Er verwendet für die Auftritte im Internet einen externen Mixer und zu seinen Backingtracks von Computer und CD-Player singt er live in den Mixer. Gleichzeitig kontrolliert er Second Life auf einem Laptop.

Blick von der Bühne

Das Ergebnis all dieser Mühen kann sich durchaus hören lassen, ist auch für weniger eingefleischte Reggae-Fans ein Hörgenuss. Neben eigenen Songs verarbeitet er auch Super-Hits wie „No woman no cry“ oder „Stir it up“ und jeder wird zumindest einen ihm bekannten Song in seinem Programm finden. Die SL-Bühnenshow des Avatars Naphtali Hawks könnte zwar noch etwas abwechslungsreicher sein, doch wichtiger ist allemal die Musik, die er überzeugend rüberbringen kann.

Bühnenshow



Nikita Lumet findet nicht zu perfekter Harmonie


Portät Nikita

Weniger begeisterte im Anschluss die niederländische Sängerin Nikita Lumet. Gut gemeint und mit brauchbaren Ansätzen versandete der Gesang meist in wenig mitreißender Farblosigkeit. In den Tiefen kämpfte die Sängerin mit Intonationsproblemen und in höheren Lagen wirkte die Stimme etwas dünn. Dennoch waren die Fans der Sängerin angetan und schenkten ihr viel Applaus.


Cyberpiper mit großartigem Konzept und eigenem Stil

Ganz anders der Höhepunkt des Live-Abends: Cyberpiper Roelofs. Melodiöser Stimmen-Wohlklang war es nicht den er bot, eher ein elektronisch verzerrter Sprechgesang. Doch es passte alles zusammen. Bühenshow und Bühnenbild, Rhythmus und Backgroundtracking, Vocals und der elektronische Dudelsack des Luxemburger Musikers bildeten ein abgerundetes Gesamtkonzept.

Bühnenshow

Der Avatar „Cyberpiper Roelofs“ ist vom Original Real-Life Cyberpiper kaum zu unterscheiden, wie ein Blick auf die Website (http://www.cyberpiper.com/) des Musikers zeigt. Drei CDs hat er bereits veröffentlicht und man darf auf weitere gespannt sein. Momentan befindet er sich in Santiago de Compostela (Spanien) bei einem Dudelsack-Festival, wird dort mehrmals auftreten und auch im TV zu sehen sein.

Aus der Straßenmusik kommt der Autodidakt mit dem unfehlbaren Instinkt für musikalische Formgebung und Stilbildung. 12 Jahre tourte er als Rattenfänger von Hameln duch Europa, spielte in verschiedenen Bands World Music, Folk, Folk Jazz und Folk Rock. Das Ergebnis seiner lange gesammelten Erfahrungen ist sein ganz persönlicher Stil: eine Synthese aus Techno, traditioneller Folk Music und Ambient Grooves.

Dudelsack

Er spielt alte irische Weisen auf seinem Dudelsack, singt, bzw. spricht in Englisch, Deutsch, Französisch und Luxemburgisch die Texte und untermalt das ganze mit Groovebox und Samplern. Faszinierend seine Interpretation der alten Volksweise „Es geht ein dunkle Wolk herein“. Bei Cyberpiper wird das Lied des bayerischen Benediktinerpaters aus dem 16. Jahrhundert zu einem sozialkritischen Anti-Kriegs-Song mit einer gelungenen Kombination von Originalversen aus dem Volkslied und eigenen Abschnitten und Texten.  

Ein weiteres Highlight der Show war „Mistake“. In dem Song, gemixt aus einem Zitat von George Bush und arabischem Frauengesang rockt Cyberpiper über einzelnen Takten der amerikanischen Nationalhymne und eindringlichen Basslinien. Ein Song ohne Happy-End, denn am Schluss der fesselnden Collage geht der arabische Gesang im „Starspangled Banner“, MG-Feuer und Schreien unter.

Cypherpiper Nahaufnahme

Cyberpiper ist auf jeden Fall ein Name, den man sich unbedingt merken sollte. Nächste SL-Auftritte am 24.05.2007 um 3PM PDT (21 Uhr MESZ) at the Rockery West, 29.05.2007 um 2PM PDT (20 Uhr MESZ) at the fa3rik.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 19. Mai 2007 um 20:57 Uhr
 
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