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Geschrieben von: Elesan Carnell   
Dienstag, den 01. April 2008 um 15:23 Uhr
Liebe mit Spielfilmflair

Mal Hand aufs Herz wer von euch ist noch Single in Second Life? Also ich bin es nun nicht mehr *grins*. Durch meine Streifzüge in der virtuellen Welt, lernte ich schon sehr viele Singles, Liebespaare oder gar Ehepaare kennen. Und alle haben eins gemeinsam, sie sind glücklich (na ja, Ausnahmen gibt es auch hier zugegeben).

Doch was steckt hinter dem Phänomen unbedingt einen virtuellen Partner haben zu wollen? Was veranlasst uns Menschen unseren Avatare zum Liebesglück zu führen oder es sein zu lassen? Sind es unerfüllte Wünsche in der Realität, Sehnsucht nach Zärtlichkeit, oder alles nur ein Rollenspiel eine romanischer Lovestory im Spielfilmflair?

Ich habe mich aufgemacht, diesem Umstand nach zu gehen und euch einige Facetten der Online Liebe aufzuzeigen.

Da gibt es zum einen die Romantiker:

Das sind die Sensiblen, die eine Secondlife Partnerschaft als absolut real wahrnehmen und auch direkt danach gesucht haben! Mit dieser Liebe durch Höhen und Tiefen gehen wie in der Realität. Sich ein Häuschen bauen und vielleicht sogar verheiratet in eine gemeinsame Zukunft gehen. In der Regel sind solche Beziehungen sehr treu (Ausrutscher sind in Secondlife einfach zu verlockend) und auf Ehrlichkeit und Vertrauen aufgebaut. Einige dieser Beziehungen werden sogar ins reale Leben übernommen und dort als Beziehung weitergeführt. Tja warum nicht den oder die Zukünftige(n) in einem anderen Leben finden? Chats waren seit ihrem ersten auftreten steht’s Tummelort für Liebessuchende!

Dann gibt es die Flüchtenden:


Als Flüchtende bezeichne ich diejenigen, die mit den Problemen und Unzufriedenheiten ihrer eigenen realen Beziehung oder Ehe nicht mehr klar kommen. Manchmal kann Secondlife ein richtiger Anstoss sein einmal über sich selbst und seine  Reallife - Beziehung nach zu denken. Die Scheuklappen vor den Augen entfernen und sehen was man längst weiss. Das man unzufrieden und unglücklich ist. Und so wird das Fehlende in der realen Beziehung via Secondlife von einem anderen Avatar erfüllt. Ich habe schon einige Reallife Beziehungen so enden sehen. Manchmal mit manchmal ohne neuen Secondlife – Reallife Partner. Also auch hier wieder die Option eine richtige 3D Liebe zu finden und nebenbei einiges über sich selbst zu erfahren.


Aber auch Ehepaare trifft man in Secondlife an:


Die einen verkörpern und projizieren ihr eigenes Leben direkt in Secondlife, treten dort auch ohne Geheimnisse in der Öffentlichkeit also Paar auf und finden es wunderbar andern mitzuteilen, dass für sie eine andere Partnerschaft in Secondlife undenkbar währe.

Das Gegenteil dieser Paare, sind Ehepartner, die in Secondlife eine offene Beziehung führen, also nicht ständig aneinanderkleben und dem anderen auch eine eigene virtuelle Beziehung mit einem anderen Avatar zugestehen. Basis dafür ist unabdingbares Vertrauen und Liebe zum Partner. Solche Paare laufen kaum Gefahr durch Secondlife eines Tages zum Scheidungsanwalt gehen zu müssen.


Oder die One Knight Stands süchtigen:

Wer ist ihnen noch nicht in Secondlife begegnet? Für gewöhnlich erkennt man sie an ihrer direkten, schmeichelhaften Art (was Männer angeht!). Frauen sind da anders, sie kommen direkt zur Sache, lieben den Kick des unerwarteten und angeln sich sehr gerne Newbies, die dann ganz überrumpelt in Sexgrotten oder Hotelzimmer teleportiert werden. Männer sind zwar auch an einem kurzen Kick interessiert, lassen sich aber meist doch ein bisschen mehr Zeit. Frauen „rum zu kriegen“ ist ja auch weitaus komplizierter als umgekehrt. Und wenn wir Frauen ehrlich sind, ist es auch schön umgarnt zu werden, oder nicht?

Jedenfalls steht für diese Second Life BesucherInnen fest was sie wollen, nämlich den einmaligen Spass mit einer anderen Person. Ich denke persönlich, dass auch Sexsüchtige hier sehr viel Zeit verbringen können, was ihrer Genesung jedoch nicht förderlich sein wird.


Eine ganz andere Kategorie sind die welche Ihr Privates Leben von Secondlife abgrenzen können:

Liebe und Partnerschaft in Secondlife ja, aber bitte nicht in die Realität mitnehmen. In der Regel finden sich Gleichgesinnte zu solchen Partnerschaften zusammen. Es wird viel miteinander gemacht, aber nicht ausschliesslich. Klar es gibt auch virtuelle Liebesspiele, aber das war’s dann schon. Oft entstehen aus solchen Beziehungen, Geschäftspartner.

Ist auch irgendwie logisch, denn jede Geschäftspartnerschaft, sollte auf klaren Linien, Vertrauen und gegenseitigen Respekt und Akzeptanz aufgebaut sein, sonst geht das neu gegründete Unternehmen in naher Zukunft unter. Da sind solche Grundlagen doch ideal! Natürlich gibt es auch in dieser Form das eine oder andere Problem, nämlich dann, wenn einer der Partner richtige Gefühle entwickelt und damit alleine gelassen wird, da der andere beharrlich seine Vorsätze im Auge behält. Oder die andere Variante, das ein Partnerteil mehr fordert und der oder die andere, auf dessen Wünsche eingeht, um Stress zu vermeiden. In beiden Fällen, sind Unzufriedenheit und leider manchmal Persönlichkeitsveränderungen das Resultat. Tut euch und euren Freunden einen Gefallen, bleibt bei euren Gefühlen, und teilt das eurem Partner oder Partnerin mit (so wie ihr es auch in Reallife tun solltet).



Aber auch die welche Realität nicht mehr von Virtueller Realität unterscheiden können:

Ja, auch solche Menschen gibt es in Secondlife. Personen, die diese zweite Welt als ihre Chance sehen, dass zu sein was sie in der wirklichen Welt nicht schaffen. Sei es aus Mangel an Initiativität, Ideen oder körperlichen Einschränkungen, vielleicht Mangel an Geld. Diese Avatare haben meinst grosse Grundstücke mit allem „Pipapo“, viele Freunde und sind gute Ansprechpartner wenn es um Fragen oder Hilfestellungen geht. Die Beziehungen sind das non plus Ultra. Werden geführt wie echte Beziehungen, Liebe, Leid, Freude, Trauer, alle Facetten der menschlichen Emotionen werden in der Virtuellen Welt mit dem(r) Ehepartner(in) oder Freund(in) geteilt. Die Gefühle werden auf das wahre Leben übertragen, und sind somit immer und ohne unterbruch greifbar. Leider bleibt es bei der virtuellen Beziehung und der einzige Ausweg ist es 24 Stunden in dieser zu verweilen.

Eine Andere Form der Verschmelzung von Realität und Phantasie erleben wir sogar in unserem echten Leben, wenn Stalker uns das Leben zu Hölle machen. Auch in Secondlife gibt es diese Möglichkeit auf einen Stalker zu treffen, welche sich verlieben und den andern das zweite Leben zur Hölle machen können. Kein Problem, sagt ihr, das wir können ihn ja stumm schalten und ignorieren. Ja das ist eine Möglichkeit. Jedoch wenn ihr ihm oder ihr schon eure richtige E-Mail Adresse genannt habt oder gar noch mehr von euch Preis gegeben habt, wie die Telefonnummer zum Beispiel, dann geht das „Stalking“ auch im realen Leben weiter. Seid also steht’s vorsichtig mit euren persönlichen Daten, ihr wisst nie wer sich hinter dem andern PC verbirgt!
 

All diese Formen der virtuellen Liebe zeigen uns doch nur eines. Wir sind Geschöpfe die in Beziehung leben „müssen“ (sei es auch nur für einen Augenblick), die Liebe und Aufmerksamkeit brauchen um glücklich zu sein. Tja, warum gibt es wohl Männlein und Weiblein? Nicht nur um unsern Fortbestand zu sichern, sondern auch deshalb, um das Leben gemeinsam erleben zu können, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Wir brauchen Halt, Geborgenheit und Bestätigung. So sind wir glücklich und zufrieden. Wir suchen seit unserer Geburt nach Nähe zu einer anderen Person. Erst aus Hilflosigkeit, dann um sich selbst erfahren zu können und schliesslich weil wir merken das wir nur dann vollkommen sind wenn wir nicht alleine sind. Liebe in Second Life mag für jeden unterschiedlich aussehen, und die verschiedensten Bedürfnisse befriedigen.

Was ich bis vor kurzem nicht verstanden habe, dass Paare in Second Life heiraten! Das war für mich ein Ding der Unmöglichkeit, wozu dieser Quatsch? Das ist doch nicht echt oder? So kannte mich jeder, hilfsbereit und nett zu allen, aber bloss nicht heiraten! Bis… nun ja ein gewisser junger Mann in mein Leben trat und alles daran setzte mein Herz zu erobern. Eines Tages (ähem, es war nachts ☺), fragte er mich mit zittriger Stimmer über Voice ob ich seine Frau werden wolle. Zu meinem eigenen Erstaunen, sagte ich mit vor freude hüpfenden Herzen „JA“. Nun sehe ich diesen Aspekt des zweiten Lebens ein wenig anders, ich verstehe nun was uns User dazu bewegt diesen Schritt zu gehen. Es ist Sicherheit, Vertrauen und die Hoffnung auf Beständigkeit. Inzwischen kreiere ich meine erste  Brautkleider - Kollektion (da es wirklich kaum gute Brautkleider in SL gibt, wie ich finde). Leider wird in Second Life viel Geld mit virtuellen Hochzeiten verdient, und diejenigen, die kaum Linden auf dem Konto haben, stehen vor einem Berg des sie kaum überklimmen können. Ich werde meinen Teil tun solchen Paaren zu helfen, den wie schön ist es wenn plötzlich ein Wunder passiert.

Mir bleibt nur noch eines zu sagen, „achtet euren Partner egal in welcher Welt, er benötigt euch ebenso wie ihr ihn benötigt! Zeigt ihm das“!

 

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